Pop-up Fenster

Könnt ihr euch noch an Momo, diesen Film aus den Achtzigern erinnern, in dem die grauen Herren die Zeit der Menschen sammelten, um sie für sich selbst zu verbrauchen? Manchmal glaube ich, dass ich ebenfalls in die Fänge dieser grauen Herren geraten bin. Denn irgendetwas stimmt hier nicht. Irgendjemand muss meine Zeit verbraucht haben. Erst letztes Jahr habe ich meinen vierzehnten Geburtstag gefeiert und in drei Wochen werde ich vierundvierzig. Erst vor kurzem habe ich mein erstes Kind geboren und gestern wurde sie zwanzig. Morgen ist Muttertag und mit ihm kommen Erinnerungen an meine eigene Kindheit. Erinnerungen, die so plötzlich auftauchen wie kleine Pop-up Fenster. Sie entführen mich in eine Zeit, in der mein größtes Problem der missglückte Lidstrich war. Sie erinnern mich an Schäfchenwolken, Buschwindröschen und russische Brieffreundinnen mit großen Tüllschleifen im Haar. Sie erinnern mich an Schlüsselblumen und Zitronenfalter im Paradies. Sie erinnern mich an warme Milch mit Honig, Mittagsschlaf, Rio Reiser und Regentropfen auf heißem Teer. Sie erinnern mich an mich.


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  • Nomatterthatslife Ivonne Lesser-Fuchs

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